Digitale Dienstgeräte für alle Lehrkräfte und weitere Informationen (06.10.2020)

(Harry Wunschel) Nachdem bekannt wurde, dass alle Lehrkräfte ein digitales Dienstgerät bekommen sollen, wusste scheinbar keiner so recht, ob er oder sie sich freuen oder ärgern soll. Zwar wird damit eine alte Forderung des vlbs endlich aufgegriffen, jedoch ergänzte der vlbs immer, dass nur diejenigen Lehrkräfte ein solches Gerät bekommen sollen, die ein solches auch wünschen. Jetzt wird es leider eine Zwangsbeglückung mit vielen Unsicherheiten, was das Gerät, die Ausstattung und die Administration betrifft geben.

Ich höre bereits viele Stimmen, die vorhersagen, dass wegen der unklaren Nutzungsmöglichkeiten diese Geräte wohl eher in der Schublade verschwinden und nur als Projekt zur Recycling von Elektroschrott das Licht der Welt wieder erblicken. Die Möglichkeit einer Gutschein-Lösung wäre unter diesen unklaren Bedingungen die sinnvollere Lösung, wozu es aber leider nicht kommen wird.

Damit eine wenigstens sinnvolle Nutzungsmöglichkeit sichergestellt werden kann, bittet der vlbs um Rückmeldungen zu notwendigen Anforderungen an die Geräte in ihrer Schule aber auch zuhause.

Natürlich können Sie auch einfach ihre Meinung zu den geplanten Dienstgeräten weitergeben. Derzeit klärt der Hauptpersonalrat ab, welche Möglichkeiten den Personalräten für eine Mitsprache und Mitbestimmung bei der Beschaffung dieser Dienstgeräte gegeben werden.

Der vlbs möchte die Interessen der berufsbildenden Schulen einbringen, gerade weil die berufsbildenden Schulen im Bereich der Digitalisierung oftmals schon deutlich weiter sind als die allgemeinbildenden Schulen.

Die Gelder für die digitalen Dienstgeräte der Lehrkräfte sollen noch dieses Jahr über den Bund ausbezahlt werden. Der Bund nimmt dafür kein neues Geld in die Hand, denn im nächsten Jahr können die bereitgestellten Mittel von der EU zurückgefordert werden. Es sollen ca. 600 € pro Gerät zur Verfügung stehen. Derzeit versucht eine Arbeitsgemeinschaft der KMK eine Bund-Länder-Vereinbarung vorzubereiten, in der zumindest ein Teil der vielen offenen Fragen geklärt werden sollen. Danach werden die länderspezifischen Förderrichtlinien umgehend auf den Weg gebracht werden. Bisher ist nur definitiv klar, dass es eine Gutschein-Lösung nicht geben wird, da nur Investitionsvorhaben gefördert werden können.

Derzeit kann auch niemand sagen, ob das Dienstgerät ein I-pad oder ein Laptop oder eine Kombination aus beiden Möglichkeiten werden kann. Offen ist auch die steuerliche Absetzbarkeit von bisher und zukünftig privat angeschafften Geräten. Die Frage der Administration, Wartung oder Ersatz dieser Geräte ist noch völlig unklar. Es soll wohl, ähnlich zu bisherigen Schülergeräten, ein Softwarebasispaket geben mit einer Einbindung in die neue Digitalplattform „Schulcampus“. Ob und wie zusätzliche Software eingebunden wird, deren Lizenzen für die berufsbildenden Schule vor Ort gekauft wurden, ist ebenso unklar.

Im Bereich der praxisorientierten digitalen Kompetenzzentren der Lehrkräfteausbildung soll in den verschiedenen Phasen der Lehrkräfteausbildung der digitale Unterricht einen noch größeren Stellenwert bekommen. Deshalb sollen länderübergreifend in praxisorientierten Kompetenzzentren notwendige Konzepte entwickelt werden. Dazu sollen Hochschulen, die Institute der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte sowie Praktiker zusammenarbeiten. Gleichzeitig ist geplant, ein größeres Angebot an praxisorientierten Lernprogrammen und -materialien als Open Education Ressources (OER) aufzubauen und allen Lehrkräften zur Verfügung zu stellen. Weiterhin sollen Intelligente tutorielle Lernsysteme entwickelt werden, die adaptiv arbeiten und sowohl Lehrkräften als auch Schülerinnen und Schülern Feedback geben können. Beispielsweise sollen Lernsysteme sowohl Texte von Schülerinnen und Schüler vorkorrigieren als auch diagnostisch arbeiten, um Vorschläge für weitere Übungen an die Schülerinnen und Schüler zu geben. Als Grundlage sollen die bestehenden Bildungsstandards dienen. Weitere Informationen finden Sie unter „Erklärung von KMK-Präsidentin Dr. Hubig zu den Ergebnissen der Gespräche im Kanzleramt“. Diese Information stammt von der Webseite der KMK.

Staatssekretär Beckmann hat die Zusage zu einem Modellversuch zur Digitalisierung in berufsbildenden Schulen für diesen Monat in Aussicht gestellt. Über die genaue Ausgestaltung wird der vlbs dann berichten.

Jetzt ist es amtlich, das Videokonferenzsystem WebEx wird nur noch bis 31.10.2020 vom Land unterstützt. Danach ist eine Umstellung auf das datenschutzkonforme Videokonferenzsystem Big Blue Button (BBB) notwendig, welches in den Studienseminaren bereits seit Schuljahresbeginn genutzt wird. Ab 01.11.2020 soll genügend Serverkapazität an der Universität Mainz zur Verfügung stehen, damit BBB von allen Schulen in RheinlandPfalz genutzt werden kann.

Das Videokonferenzsystem MS Teams erhält voraussichtlich eine Übergangszeit, jedoch soll auch dieses System in absehbarer Zeit durch BBB abgelöst werden. Die Datenschützer aller Bundesländer sehen MS Teams zunehmend kritisch, so dass auch Bundesländer wie Bayern zukünftig ein anderes Videokonferenzsystem als MS Teams benötigen.

Einige Annehmlichkeiten wie beispielsweise veränderte Hintergründe, Bildschirmteilung oder das Einspielen von Filmen ist in BBB nicht möglich. Die Begrenzung der sichtbaren Teilnehmer auf 12 Personen bei BBB ist ebenfalls nicht optimal. Erste Erfahrungen zeigen derzeit Bandbreitenprobleme, die sich in Schwierigkeiten mit Bild und Ton äußern. Da BBB ein Open-Source-System darstellt, sind gewünschte Veränderungen nicht so einfach in Auftrag zu geben.

Dem HPR BBS zugesagte Fortbildungsveranstaltungen werden nicht in dem Brief des Bildungsministeriums erwähnt. Die in dem Brief angesprochene Beteiligung des HPR BBS beschränkte sich auf eine Information durch die Abteilung 3 des Bildungsministeriums, die der HPR BBS auch nur auf Nachfrage bekamen. Der Brief befindet sich im Downloadbereich unter „Umstellung des Webkonferenzsystems für Schulen in Rheinland-Pfalz" (ohne Anlagen).

Durch die Pflicht zur Nutzung digitaler Lehr- und Lernsysteme ist in absehbarer Zeit keine gesonderte Begründung für die dienstliche Nutzung einer von einem Arzt verschriebenen Bildschirmarbeitsplatzbrille mehr notwendig. Bitte stellen Sie vor der Anschaffung einer Bildschirmarbeitsplatzbrille beim eigenen Personalsachbearbeiter der ADD einen Antrag. Bisher waren verschiedene Angebote für diese dienstlichen Brillen vorzulegen. Die Kosten dieser Brillen werden nicht von der Beihilfe, sondern von der ADD übernommen.

Am 29.09.2020 gab es 80 Infektionsfälle bei Schülerinnen und Schülern (61 Fälle am 16.09.2020) und 11 Infektionsfälle bei Lehrkräften (6 Fälle am 16.09.2020) an allen Schulen in Rheinland-Pfalz: Die BBS erreichen mittlerweile mit einem Anteil von 46 % der Infektionsfälle den deutlich höchsten Anteil aller Schularten. Den nächsthöheren Anteil haben die Gymnasien mit 24 %. Die Zahl der Verdachtsfälle bei Schülerinnen und Schülern ist mit 3.193 ebenso deutlich gestiegen (1.875 Fälle am 16.09.2020) wie auch die Verdachtsfälle bei Lehrkräften mit 438 (189 Fälle am 16.09.2020). Es sind 195 Schulen im Land betroffen (194 Schulen am 16.09.2020), und es kam zu 46 Teilschließungen (23 am 16.09.2020) und 4 vollständigen Schulschließungen. Die allgemeine landesweite Inzidenz ist 10,4 (Fälle pro 100.000 Einwohner).

Der EPoS-Brief „Ergänzungen zu Lernstandserhebungen“ war wohl nur fälschlicherweise an die berufsbildenden Schulen gegangen, denn der Inhalt des Briefes ist nur vollumfänglich von den allgemeinbildenden Schulen zu beachten. Viele Schulleitungen haben diesen Brief deshalb auch nicht an die Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet.

Falls doch: Lernstandserhebungen sind an berufsbildenden Schulen von den Lehrkräften zwar im Hinblick auf mögliche Abschlussprüfungen nach dem Corona-Shutdown durchzuführen, jedoch nicht, wie in dem Brief verlangt, mit einer Weitermeldung an Schulleitung und Bildungsministerium verknüpft.

Wer in den Herbstferien Urlaub in vorher bekannten Risikogebieten macht, muss nach der Rückkehr zwei Wochen in Quarantäne. Bei einem früheren negativen Testergebnis kann die Arbeit schon vorher aufgenommen werden. In der Zeit dieser Quarantäne gibt es keine Entlohnung!

Archiv2

BvLB

DBB

NEWSLETTER